(My Computer and I)
Mein alter Rechner ist kaputtgegangen und ich komme wohl nicht umhin, mir einen neuen oder, sagen wir mal, einen neuen „Gebrauchten“ zu kaufen. Denn einen neuen „Neuen“ will ich nicht. Aus Prinzip nicht. Der ganze Hype darum, immer das Allerneueste haben zu wollen oder zu müssen, hat mich immer schon kaltgelassen.
Die Idee allein, mir einen neuen Alten zulegen zu müssen, nervt schon. Denn ich liebe zwar, Neues zu erleben und zu lernen, aber in mancher Hinsicht bin ich ein ausgesprochenes Gewohnheitstier und als solches hasse ich kaum etwas so sehr, wie einen Computer neu einrichten zu müssen.
Ich habe mich schon sehr früh mit Computern beschäftigt. Meinen ersten Computer hatte ich, als die Geräte noch mit einer Audiocassette hochgefahren werden mussten. Und „Ja“, ich habe auch Computersprachen gelernt. Das funktionierte damals nämlich überhaupt nicht anders.
Seitdem hat sich vieles geändert. Und, das muss ich gestehen, nicht Alles gefällt mir. Ich kann mich dem aber leider nicht entziehen, wenn ich die Vorteile nutzen will, die mir so ein Gerät natürlich auch bietet. Dazu gehört es beispielsweise, solche Texte hier zu schreiben und sehr einfach korrigieren und ändern zu können, ohne gleich eine ganze Seite neu in die Tasten klappern oder mit Tipp-Ex bekleckern zu müssen. Wenn Sie sich nun fragen, was „Tipp-Ex“ ist – googeln Sie es doch einfach! Ich werde es nicht erklären, denn wenn ich ein Problem mit meinem Rechner habe, bekomme ich auch solche tollen Experten-Ratschläge, bei denen mir jemand Fach-Chinesich mit Fach-Chinesich zu erklären versucht und ich verstehe nur „Bahnhof“.
Gut. Ich bestelle mir also einen neuen Gebrauchten. Das Teil kommt hier an und schon geht es los.
Beim Einrichten der verschiedenen Programme werde ich gefragt, wie ich denn „meine“ Werbung präsentiert bekommen möchte. Mal ganz abgesehen davon, dass ich überhaupt keine Werbung mache oder habe und auch keinen Anspruch darauf erhebe, die Werbung anderer Leute als „meine“ Werbung zu betrachten, möchte ich nicht gefragt werden „wie“ sie mir präsentiert werden soll, sondern „ob“!
Ich lege nämlich keinen Wert auf Werbung. Und weil ich keinen Wert darauf lege, muss ich sie auch nicht „personalisieren“. Denn das sog. „Personalisieren“ von Werbung ist im Grunde nichts Anderes, als irgendwelchen Firmen zu erzählen, wie sie mir ihre Waren am einfachsten unterjubeln können und welche das wären, die da für mich in Betracht kämen.
Da ich aber ziemlich mündig und selbständig bin, oder mich zumindest dafür halte, möchte ich nicht ständig mit den Wünschen irgendwelcher Firmen konfrontiert werden, an mein Geld zu gelangen oder mir Dinge anzudrehen, die ich weder benötige, noch haben möchte. Wenn ich etwas brauche, sehe ich mich ganz gern selbst danach um und ich lege den Zeitpunkt, Preis und alle anderen Umgebungsvariablen fest, die da beim Einkauf für mich eine Rolle spielen. Ich bin auch nicht beratungsresistent, sondern lediglich ausgesprochen selbstbestimmt. Denn mit der Beratung geht es mir ebenso wie mit meinen Einkäufen: Wenn ich etwas brauche, sage ich es. Und wenn ich nichts sage, brauche ich auch nichts. Weder Waren, noch Beratung. Die Beratung, die mir meistens angeboten wird, ist auch wenig geeignet, mir einen Wissensvorsprung hinsichtlich meines geplanten Einkaufs zu bescheren, sondern, genau genommen, verhält es sich genau umgekehrt und ich soll die Firmen zu der Frage beraten, wie sie mir am besten ihr ganzes Zeugs aufschwatzen können. Ulkigerweise versucht man auch ständig, mir einzureden, dass ich mit dem Einkauf von irgendwas sehr viel sparen könnte: „Geiz ist geil!“
Am besten, so meine Erfahrung, spare ich, indem ich mir den Einkauf als solchen spare!
Ich habe also einen Teil meines neuen alten Rechners eingerichtet und finde da plötzlich so ein Programm – heute nennt sich das ja „App“ – das sich „Copilot“ nennt. Also versuche ich mal, herauszufinden, was das für ein Programm ist und ob ich es überhaupt brauche. Dabei stellt sich heraus, dass dieses Programm zwar „Copilot“ heißt, es meiner Ansicht nach aber eher als „Mitesser“ bezeichnet werden sollte. Denn genau das macht es. Es versucht unter dem Vorwand, mir meine Aufgaben zu erleichtern, nichts Anderes, als meine Daten abzugreifen und am besten noch über eine sog. „Cloud“ allen Interessenten anzubieten, von denen ich der Ansicht bin, dass es sie nicht das Geringste angeht. So gesehen, ist auch der Begriff „Cloud“ sicherlich gut gewählt, aber die Rechtschreibung ist falsch. Die korrekte Schreibweise müsste lauten „klaut“. Dieser sog. Copilot ist also nichts Anderes als ein Mitesser und Mitesser mag ich nun wirklich nicht. Weder uneingeladen am Tisch noch im Gesicht. Und schon gar nicht auf meinem Rechner. Also weg damit.
Da ich relativ viel lese, sowohl Sachen, die noch ziemlich altmodisch auf Papier gedruckt werden als auch digitalisiertes Zeugs wie z. B. viele wissenschaftliche Texte, die dann als pdf-Datei verpackt sind, lade ich mir also den entsprechenden „Reader“ herunter und installiere ihn.
Und – „Plopp!!!“ – er hat eine neue Funktion: Er verfügt jetzt nämlich über KI. „Künstliche Intelligenz“. Sicherlich eine ganz praktische Einrichtung für Leute, die nicht mehr über ausreichend natürliche Intelligenz verfügen. Zu denen rechne ich mich allerdings nicht. Das mag aber damit zusammenhängen, dass eigentlich alle Leute, die man nach ihrer Intelligenz fragt, der Auffassung sind, genug davon zu haben. Es gibt wohl nichts auf dieser Welt, was gerechter verteilt wäre! Zum Glück auch: Es gibt tatsächlich noch Sachen, die als gut oder zumindest gerecht empfunden werden.
Diese KI fragt mich also glatt beim Öffnen eines 5-seitigen Textes, ob sie mir eine Zusammenfassung liefern soll, weil der Text doch so lang wäre. Dabei stelle ich mir die Frage, warum mir das angeboten wird. Halten mich die Erfinder dieser „KI“ für so dämlich, dass ich einen 5-seitigen Text nicht verstehen kann? Hätte ich ihn dann geöffnet? Ich gebe zu, dass auch ich feststelle, dass bei vielen meiner Mitmenschen offenbar die Aufmerksamkeitsspanne erheblich zurückgegangen ist. Traurig. Aber wahr.
Leider wird dieses überaus „nützliche“ (fragt sich nur für wen – Cui bono?) Tool auch keineswegs nur in diesem Programm angeboten, sondern auch im Internet und es scheint nur wenigen Leuten aufzufallen, dass sie sich durch die Wahrnehmung solcher Angebote selbst immer weiter beschränken bis sie am Ende völlig beschränkt sind. Denn eine derartige KI-Funktion funktioniert schließlich in der Weise, dass die im Text angebotenen Inhalte reduziert werden. Es wird also eine Vorauswahl der Inhalte getroffen. Nach welche Kriterien sie mir bei einer Zusammenfassung präsentiert oder aussortiert werden, legt der Erfinder/Betreiber/Anbieter der KI fest und mein Einfluss darauf ist eher gering. Da ich aber aus Erfahrung weiß, dass sich die entscheidenden Dinge gar nicht so selten im Detail finden, lese ich lieber den gesamten Text selbst. Zumal ich auch nur so nachvollziehen kann, ob der in diesem Text postulierte Erkenntnisfortschritt auch tatsächlich auf des Basis logischer Schlussfolgerung(en) entstanden ist oder auf dem Vergleich von Äpfeln und Birnen beruht. Denn mit zunehmender Tendenz geben sich irgendwelche Pamphlete einen pseudowissenschaftlichen Anstrich, dem sie bei genauem Hinsehen nicht einmal ansatzweise gerecht werden.
Abgesehen davon kann man sich natürlich die Frage stellen, warum der Verfasser der 5 Seiten es wohl für nötig erachtet hat, ganze 5 Seiten zu schreiben und nicht nur 3 Sätze.
Zwischendurch, wenn ich gerade mal meine grauen Zellen etwas entlasten und ihnen die Möglichkeit eröffnen möchte, das Ganze in Ruhe zu sortieren, spiele ich manchmal eines der vom Unternehmen Microsoft mitgelieferten Spiele. Sudoku. Oder Majong. Auch mal Kartenspiele.
Interessant finde ich, dass ich dafür online gehen soll. Dann könne ich ohne Werbung spielen. Fakt ist jedoch, dass ich, wenn ich erst gar nicht ins Internet gehe, auch keine Werbung bekomme. Woher auch?
Also melde ich mich nicht bei irgendeiner „Community“ an. Ich will mich ja entspannen und nicht mit anderen um die Wette spielen. Also brauche ich auch keine „Community“. Und keine Werbung für die neueste Waschmachine mit KI-gesteuerter Beleuchtung.

Die nächste Stufe erfolgt auf dem Fuße: Wenn ich mich anmelde, könnte ich die doppelte Punktzahl und „Extra-Punkte“ bekommen!
Da ich mich lediglich bei dem Spiel etwas entspannen will, interessieren mich keine Punkte. Auch keine doppelten.
Während ich also so gemütlich vor mich hinspiele, werden im Hintergrund geflissentlich meine Punkte berechnet und „Voila!“ – ich habe das nächste Level erreicht! Mir wird eine neue Karten-Rückseite freigeschaltet! Ist das nicht toll? War es nicht immer schon das erklärte Ziel all meiner geheimen Wünsche und Träume, eine neue Karten-Rückseite zu erhalten?
Und ich stelle fest, dass allmählich auch bei mir tatsächlich ein neues Level erreicht ist. Nämlich ein völlig neues Level des Gefühls, von irgendwelchen Datenkraken für vollkommen verblödet gehalten zu werden!
Und ich beginne mich zu fragen, wie langweilig eigentlich mein Leben werden müsste, damit mich so etwas reizen kann?

Der Button für „NEIN!!!“ fehlt natürlich wieder mal . . .
Naja, zum Glück habe ich zwei wunderbare Spitze, mit denen ich spazieren gehen kann!
Bei denen brauche ich mich nicht anmelden. Weder mit, noch ohne Passwort.
Ihre Rückseite ist nicht austauschbar, aber wedelt und personalisiert sind die beiden auch!

